Montag, Januar 30, 2006

Adel(e) verpflichtet nicht! (Kommentar zur Diskussion um Klimt)

Deutschland sucht den Superstar. In Österreich steht er schon fest: Adele. Jetzt, wo Adele - eines der fünf noch im Belvedere in Wien hängenden Bilder von Gustav Klimt - an die rechtmäßigen Erben zurückgegeben werden muss, bekommt sie von Experten Stimmen über Stimmen. Adele und Co. sind österreichisches Kulturgut. Und das muss im Land bleiben.
Weil die Republik aber dafür kein Geld hat, will sie sich keines der Werke leisten. Allein das Bildnis "Adele Bloch Bauer I." würde immerhin rund 100.000 Euro kosten. Das sind über 1,3 Milliarden alte Schilling. Kühle Köpfe rechnen: Mit rund 70 Millionen Euro werden alle österreichischen Bundesmuseen pro Jahr gefördert. Allein die Österreichische Galerie müsste zwischen 1100 und 2000 Jahre sparen, um sich Adele leisten zu können. Der Rückkauf eines einzigen Bildes übersteigt also bei weitem den Spielraum des Kulturbudgets. Um die Schulden wieder einzutreiben, würde im Kulturbereich auf Jahre gnadenlos gekürzt werden.
Nicht nur deshalb ist der Ankauf kritisch zu betrachten. Es geht auch um die breite Akzeptanz dieses Schrittes. Der Masse der Österreicher ist es wohl egal, ob die Bilder im Belvedere in Wien hängen oder nicht. Sie schaut ohnehin dort nie vorbei. Und die Klimt-Fans aus aller Welt? Denen ist es erst recht egal, ob die Bilder in Wien hängen oder nicht. Sie reisen zum Adele-Schauen auch nach Paris oder San Francisco. Bleibt eine Minderheit übrig. Eine Minderheit, die glaubt, dass die rot-weiß-rote Kulturnation ohne Adele ins Wanken gerät.
Wenn Superstar Adele in Österreich bleibt, freuen wir uns. Nur öffentliche Gelder dürfen dafür nicht verwendet werden.

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