Freitag, Dezember 30, 2005

Deutschland sucht den Superheuler

bild.de

Jetzt kommen auch mir die Tränen! Die Idee über eine Casting-Show Musiktalente zu entdecken, finde ich großartig. Auch der Unterhaltungswert ist gegeben, ich bin schon lange Stammseher von DSDS. Aber wie zuletzt entschieden wurde, ist eine Frechheit. Stephan, der völlig falsch gesungen hat, kommt weiter. Carolina, die ebenfalls keinen Ton getroffen hat, darf auch in die großen Motto-Shows. Da gebe ich dem Schreiber des Artikels in der Bild-Zeitung recht: "Wer heult, kommt weiter!" Tränen und Zusammenbrüche statt gute Stimmen.

Das Niveau ist jetzt durch diese unverständlichen Zuschauer-Entscheidungen gesunken. Schade. Kein Wunder, dass die Jury tobt. Denn was sind das bloß für Superstars? Sie sind nur Superheuler! Die nächsten Shows dürften also super-hammermäßig werden. Wer vergießt die meisten Tränen?
Mal ehrlich: Man sollte sich vielleicht für das nächste Jahr einen anderen Entscheidungsmodus überlegen. Weil die Zuschauer offenbar keine Ohren haben...

Mittwoch, Dezember 28, 2005

Die Entführung geht mir diesmal nicht nahe


bild.de, 28.12.
Erst vor wenigen Tagen wurden zwei Österreicher nach mehrtägiger Entführung im Jemen freigelassen, jetzt wurde eine fünfköpfige deutsche Familie verschleppt. Mitleid empfinde ich nur mit den drei Kindern, die sich jetzt in der Gewalt von Bewaffneten befinden. Man stelle sich vor: Statt Weihnachtskeks und Schneeballschlacht gefangen in einem Lager bei Schmallspur-Kost umringt von Maschinenpistolen und Menschen, die einem nicht verstehen. Es ist mir völlig unverständlich, dass Reiselustige ihre (friedlichen) Weihnachtsferien ausgerechnet in Ländern verbringen, für die es eine offizielle Reisewarnung gibt. Ist es der Gedanke, mir kann eh nix passieren? Prickelndes Abenteuer anstatt das übliche Sandburgen bauen unter Palmen? Und das noch zum Spottpreis?

Zum ersten Mal, nachdem es sich jetzt bereits um die dritte Entführung binnen kürzester Zeit handelt, kommt bei mir Unverständnis auf. Die Schlagzeile prallt, wie man so schön sagt, ab. Die Entführung geht mir nicht unter die Haut. Wohl verstärkt auch dadurch, dass sowohl die beiden Österreicher als auch die im Irak verschleppte Susanne Osthoff vorerst nicht in die Heimat zurückkehren wollen. Also in jenem Land bleiben, in dem sie entführt wurden!

Ich hoffe natürlich, dass die fünf Deutschen das Abenteuer Jemen heil überstehen. Im Falle ihrer Befreiung sollten sie für die Bemühungen der Behörden bezahlen müssen. Warum soll der Steuerzahler dafür aufkommen? Mein Mitgefühl für diese Menschen hält sich in Grenzen.

Dienstag, Dezember 27, 2005

Milde für falschen Priester

krone.at, 27.12.

Ein Bayer, der in zwei oberösterreichischen Pfarren ohne geweiht zu sein monatelang als Priester gepredigt hat, wird als gefährlicher Krimineller abgestempelt. So der Tenor der Schlagzeilen in den Medien. Und dabei hat es der falsche Pfarrer gar nicht so schlecht gemacht: Er ist laut Medien bibelfest und redegewandt, die Leute der beiden Orte mochten ihn, er zelebrierte sogar zwei Begräbnisse.

Was soll also die künstliche Aufregung? Sicher, für die Täuschung verdient er sich keinen Heiligenschein. Aber was ist schon passiert? Es gibt ohnehin viel zu wenige Männer, die noch Priester werden wollen. Warum hört man sich den 45-jährigen Mann nicht vorher an, bevor er als Hochstapler und Betrüger öffentlich Karriere machen muss. Vielleicht ist er auf der Suche nach einer neuen inneren Heimat? Aus Jux und Tollerei wird er sich wohl kaum vor den Altar gestellt haben. Die Kirche sollte Milde walten lassen.

Mittwoch, Dezember 21, 2005

Eine amüsante Übertreibung

bild.de, 21.12.

Wenn man von der gewohnt übertriebenen Aufmachung der Bild-Zeitung absieht, ist der Artikel "Müssen unsere Enkel auf den Mond?" gar nicht uninteressant. Speziell der darin zitierte Experte, ein gewisser Professor Gerhard Neukum von der Universität Berlin, erklärt in verständlicher Weise unsere Mond-Zukunft. Da kann man schon recht Spannendes lesen! Leben auf dem Mond ist demnach keine Phantasterei mehr.

Was der Herr "Bild-Laienwissenschaftler" Ragnar Vogt in der Einleitung zum Interview geschrieben hat, ist hingegen utopisch:
"Erde zu voll!": Die Erde ist laut anerkannten Wissenschaftlern mit 6,5 Milliarden Menschen (und auch mit mehr) nie zu voll. Es gibt nur ein großes Ungleichgewicht. Um es in Bild-Sprache zu sagen: Asien wird immer voller und Europa stirbt aus.... Außerdem was heißt das: Erde ist zu voll. Was stellt sich der Herr Vogt da vor? Dass wir aufgrund Platznot irgendwann ins All stolpern? Dass wir uns nicht mehr bewegen können, weil auf jedem freien Platz ein Mensch steht?
"Müssen unsere Enkel auf den Mond?": Da nimmt die blühende Phantasie des Schreibers seine Fortsetzung.

Trotzdem: Ein amüsanter Artikel!

Arnie soll nicht mehr Österreicher sein!


Der Konflikt zwischen Arnold Schwarzenegger und seiner Heimatstadt Graz macht weltweit Schlagzeilen - von San Francisco (siehe Schlagzeile oben), der Türkei bis nach Sydney. Eine Provinzposse die jetzt noch einen weiteren Höhepunkt erreicht: Der grüne Politiker Peter Pilz fordert doch allen ernstes Schwarzenegger zur Rückgabe des Reisepasses auf. Arnie soll also die österreichische Staatsbürgerschaft aberkannt werden. Jetzt wird es aber wirklich peinlich. Das geht zu weit! Pilz ist untragbar.

Dienstag, Dezember 20, 2005

Der Terminator und die Provinzkasperln

krone.at, 20. Dezember

Nestroy hätte mit dieser Provinzposse seine Freud! "Terminator" Arnold Schwarzenegger kommt den Grazer Politikern zuvor: Er schickte den Ehrenring der Stadt Graz per Post ins Rathaus zurück und ordnete jetzt an, seinen Namen unverzüglich vom Fußballstadion entfernen zu lassen. Außerdem erteilte er den Grazern ein Verbot künftig mit seinem Namen zu werben. Er begründete in einem Exklusiv-Interview mit Werner Kopacka von der Kronen Zeitung diese Entscheidung und auch die Gründe, warum er den Vierfachmörder Tookie Williams nicht begnadigte.

Ich habe mich in meinem Blog schon mehrmals gegen die Todesstrafe geäußert. Ich war von Arnold Schwarzeneggers Entscheidung, Tookie Williams doch hinzurichten enttäuscht. Das ist das eine - und daran hat sich auch nichts geändert. Trotzdem habe ich den Aufschrei der linken Politiker (SPÖ, Kommunisten und Grüne) in Graz nicht verstanden, die sich berufen fühlten, den kalifornischen Gouverneur für seine Entscheidung in der Steiermark "hinzurichten".

Was für ein kleinkariertes Denken diese Provinzpolitiker nur haben. Alles nur Profilierungsneurose, um einmal in die internationalen Medien zu gelangen. Der jetzt entstandene Image-Schaden für die steirische Landeshauptstadt Graz (es gibt bereits Urlaubsstornierungen usw.) ist wohl größer als es sich diese Kasperln jemals ausgemalt haben. Mit so einem unqualifizierten Protest dienen sie der Sache, nämlich sich gegen Todesstrafe einzusetzen, überhaupt nicht!

Freitag, Dezember 16, 2005

Oh, du Fröhliche bis zum Amoklauf!



Eine geniale Karikatur veröffentlichte die Kronen Zeitung auf der Titelseite. Darüber sollten wir nachdenken: Was ist eigentlich für uns noch Weihnachten? Einkaufswahn, Schuldenberg, Hektik und Depression. Irgendwo dazwischen ist der Sinn liegen geblieben.

Unter dem Arm eingeklemmt halte ich den Weihnachtsbaum: Schneller Kauf, weil viel Zeit zum Schauen hab ich nicht. Hauptsache grüne Nadeln. In der einen Hand das schreiende Kind, das vom Christkind unbedingt zwei Playmobile haben möchte und und und. In der anderen Hand mehrere Pakete. Von Verkäuferinnen eingepackt, weil man zu Hause dafür einfach keinen Nerv und keine Zeit hat. In der Manteltasche eine lange Erinnerungsliste: Geschenk für den Ehemann, die Schwester, die Mutter, den Vater, den Bruder, die Putzfrau, die Freundin.... Alles noch zu besorgen! Der Kontostand bei der Bank wird gedanklich ausgeblendet: Es ist ja Weihnachten. Leise rieselt der Euro! Egal: Im Jänner brauch ich ohnehin nix, da wird nur umgetauscht. Der Blödsinn. Das Sinnlose. Das Überflüssige.

Nach der ganzen Vorweihnachts-Depression und dem Einkaufsstress, dann der alljährliche Baum-Tumult. Wenn die Kerzen flackern und es nach Keksen duftet (backen war auch stressig!) und die Kinder ihre Pakerln aufreißen, ist es mit der stillen Zeit in vielen Wohnungen endgültig vorbei. Nennt man: Amoklauf unterm Christbaum. Es fliegen die Fetzen. Und im Jänner gehen wir zum Anwalt!

Oh, du Fröhliche. Und alle Jahre wieder sind wir genauso dumm wie im Vorjahr. Weil Weihnachten ist. Und wir uns einfach nicht vorstellen können, wie es auch friedlicher geht. Jesas Maria!

Welche Mehrheit? Verdacht einer Erfindung



In riesigen Lettern titelt die Kronen Zeitung heute "Mehrheit hat Verständnis für Arnold". Untertitel: Trotz eines eindeutigen Votums der Österreicher gegen die Todesstrafe. Ich will nun wissen, welche Mehrheit Verständnis hat. Frauen? Männer? Kinder? Österreicher? Amerkaner? Kartoffel?

Der Artikel im Blattinneren gibt dem Leser lediglich die Information: Es handelt sich um Menschen! Hurra! Dann heißt es aber lediglich: "Die überwiegende Mehrheit der Menschen ist gegen die Todesstrafe, zeigt aber dennoch Verständnis..." Heißt also für logisch denkende Menschen: Die Mehrheit der Menschen in der Welt. Und das bezweifle ich!

Es scheint, die Krone hat ihre Schlagzeile schlichtweg erfunden. So schwammig wie die Behauptung ist. Und: ohne Quellenangabe.

Dienstag, Dezember 13, 2005

Ein ganzes Land soll sich schämen!



Nicht nur Stanley "Tookie" Williams stand vor Gericht und wurde jetzt durch eine Giftspritze hingerichtet - ein ganzes Land steht vor Gericht. Hingerichtet wurde auch die Moral! Erschwerend kommt hinzu, dass ausgerechnet "Terminator" Arnold Schwarzenegger die Todesstrafe "vollstreckt" hat. Ein Mensch, der mit dem österreichischen Rechtssystem aufgewachsen ist, und eigentlich Vorbehalte gegenüber der Todesstrafe haben müsste. Doch er fand keine Gründe, die Strafe in lebenslänglich umzuwandeln. Schade. Es hätte viele gegeben.
Es scheint, dass der in Kalifornien seit Monaten stark unter Beschuss geratene Schwarzenegger als Politiker (nicht als Mensch!) nur das vollzogen hat, was die Mehrheit seiner Wähler hören und sehen möchte: Tookie ist tot! Es lebe die amerikanische Demokratie! Eine Schande.
Schlagzeile: www.orf.at

Sonntag, Dezember 11, 2005

Glawischnigs Wahlkampf-Baby


Was eine Schwangerschaft so alles bewirkt:Die grüne Vizechefin will sich plötzlich für die Situation von kinderkriegenden Frauen stark machen - jetzt wo sie im fünften Monat schwanger ist. Mit alten Ansagen wirft sie ihr noch ungeborenes Kind in die Wahlkampf-Schlacht. Einen anderen Grund als Baby-Propaganda kann das Interview im aktuellen Magazin News ja nicht gehabt haben. Denn was man da hört und liest ist ururalt! Geburtenrückgang. Kinderkriegen als Arbeitsfalle. Schwerer Wiedereinstieg nach Karenz. Hohe Frauen-Arbeitslosigkeit. Kritik an der Frauenpolitik der Regierung. Alles fad. Schon tausend Mal gelesen.
Anstatt den Frauen durch Horrorszenarien schon gleich einmal Angst vor einer Schwangerschaft zu machen, sollte Glawischnig lieber Lösungen aufzeigen. Doch Lösungen hat sie leider nicht. Möge so ein Hormonschub noch kommen.

Samstag, Dezember 10, 2005

Wer da wohl die drei Affen sind!

Kurier.at, 10.12

Unter der Gürtellinie ist die Kritik der drei Herren von der Opposition: Hannes Swoboda (SP), Johannes Voggenhuber (Grüne) und Andreas Mölzer (FP) werfen doch glatt Bundeskanzler Wolfgang Schüssel vor bei US-Präsident "eingeknickt" zu sein. Genauer: Er habe den "Eindruck der Wehrlosigkeit Europas erweckt" (Voggenhuber), "willfähriger Vasall Washingtons" (Mölzer) und "Die drei Affen - nichts hören, nichts sehen, nicht reden - werden wohl zum Motto der österreichischen EU-Präsidentschaft" (Voggenhuber).
Die Opposition wollte, dass Schüssel die Aufklärung der Folter- und Entführungs-Vorwürfe gegen die CIA einfordert. Man könnte jetzt doch glatt glauben, die drei wären Polit-Neulinge...

Damit nicht ein falscher Eindruck entsteht: Ich bin nicht unbedingt ein Freund Schüssels, aber in diesem Fall ist das Geschrei aus den Oppositionsreihen unqualifiziert. Wer bitte glaubt denn ernsthaft, dass sich Bush vom Kleine-Österreich-Schüssel irgendetwas herauslocken lässt, was für ihn auch noch dazu negativ ist! Dass sich Bush indirekt zum Praktizieren von Folter bekennt! Und das so etwas ausgerechnet Schüssel in der Welt verkünden darf. Wer da wohl der Affe ist, liegt auf der Hand. Drei Affen, drei Herren.

Mittwoch, Dezember 07, 2005

Medien sollen lieber Suche nach Osama einfordern!

Krone.at, 7.12

Trotz der spektakulären Aufmachung (Schlagzeile aus krone.at) ist man als kritischer Leser stutzig: Ist Terrorist Osama bin Laden wirklich noch am Leben oder ist das nur eine PR-Strategie seines Stellvertreters in der Al-Kaida, der sämtliche Medien auf dem Leim gehen?

Für die Al Kaida und ihre Anhänger ist es wichtig, dass Osama öffentlich am Leben erhalten wird - ob als Lebendiger oder als Toter. Seine angeblichen Botschaften sind immer noch Gesetz.
Wie wahr ist also diese Schlagzeile? Welchen Stellenwert sollen Medien dem Video der Bin Laden-Stellvertreters einräumen, das als erstes indirektes Lebenszeichen des Terrorpaten seit Monaten gewertet wird? Meiner Meinung nach keinen.

Viel besser als die Verbreitung von Al Kaida-Botschaften zu unterstützen wäre es, die Geheimdienste im Aufspüren des Aufenthaltsortes des Terroristen zu unterstützen bzw. die Suche nach Osama bin Laden immer wieder öffentlich einzufordern. Denn: Wie kann ein Mensch in dieser total überwachten Welt auf Jahre so einfach untertauchen, dass ihn keiner der großen Geheimdienste der Welt findet!

Sonntag, Dezember 04, 2005

Umfrage presst Haiders Orange(n) völlig aus

News.at, 4. 12
Fast könnte man meinen, wir befinden uns - oh, du Fröhliche - in einer Sauren-Gurken-Zeit: Anders ist es nicht zu erklären, dass wir ständig mit Umfragen über die politischen Parteien belästigt werden. Wenn sonst schon nix Interessantes passiert, der Kampf der Blauen mit den Haiders Orangen ist für die Macher immer für eine schnelle Schlagzeile gut. Also wird ein Dauerwahlk(r)ampf von den Zeitungen gerne herbeigeschrieben. Auf der Strecke bleibt nur der Leser.

Irrsinnig spannend ist auch das Ergebnis der aktuellen IMAS-Umfrage: Jörg Haiders BZÖ wird weiter totgeschrieben und Straches FPÖ klar im Aufwind gesehen. Zum BZÖ: Totgesagte leben länger. Schon einmal lagen die Meinungsforscher bei Haider völlig daneben. Weil viele mögliche BZÖ-Wähler den netten Anrufern der Meinungsforschungs-Institute sicher nicht auf die Nasen binden, dass sie BZÖ wählen werden. Zur Strache-FPÖ: Der Herr Strache hat einen Achtungserfolg in Wien feiern können, mehr nicht. Gepunktet hat er mit Ausländerhetze. Die von IMAS vorhergesagten acht Prozent bei der nächsten Wahl sollten deshalb nicht Anlass für Jubel-Orgien werden.
Umfragen sind generell mit Vorsicht zu genießen. Wer bitte ist der Auftraggeber der IMAS-Studie! Bei News.at gibt es keinen Hinweis darauf. Umfragen, die ein Jahr vor der Wahl gemacht werden, haben meiner Meinung nach ohnehin wenig Relevanz. Sie kosten nur Geld.

Übrigens: Die SPÖ wird 2006 stimmenstärkste Partei. So steht es bei IMAS. In der aktuellen Umfrage. Was wohl in der nächsten Umfrage steht?

Samstag, Dezember 03, 2005

Dieser Schmuddeljournalist sollte sich genieren!



Keine Rücksicht auf die ermordete Frau und ihre beiden Kinder nimmt der Schreiber dieses Artikels in der Kärntner Tageszeitung (1. 12): Da wird auf der Titelseite über den "tränenreichen Abschied" des Witwers beim Begräbnis berichtet. Nur: Dieser Mann steht unter dringendem Verdacht seine Frau gewürgt und erschlagen zu haben! Tränen als Teil der Verteidigungsstrategie?

Wortwörtlich heißt es in dem Artikel weiters: "Die Kinder wollten den Vater nicht sehen". Das klingt wie ein Vorwurf. Ich kann es verstehen, dass die Kinder den Mann, der ihre Mutter ermordet haben soll, nicht am Grab begegnen wollten. Dass sie den Mann, der ihre Mutter über 40 Jahre lang misshandelt und eingesperrt hat, nicht sehen wollten. Was soll also diese Unterstellung?

In einem unwürdigen und pietätlosen Stil geht es weiter (wortwörtlich):

"Die Frau, die gestern dort zu Grabe getragen wurde, hat mit ihrem Hinscheiden für Schlagzeilen gesorgt. Sie hat die Welt nicht freiwillig verlassen."

"Der Ehemann, dem man ihren gewaltsamen Übertritt ins Jenseits anlastet, folgte dem Sarg..."

"Sein Anwalt hatte ihm eine schmucklose, weiße Kerze mitgebracht, der Mann netzte sie mit Tränen"

"Pfarrer Hubert Luxbacher hat die Verstorbene Gott überantwortet, ...denn bei ihm herrscht Barmherzigkeit"

"Dem Vater haben seine bereits erwachsenen Kinder nichts nachgesehen..."

Was für ein journalistischer Mist! Ist sich dieser Schreiberling nicht darüber bewußt, was er da zusammenschreibt. Er beschmutzt nicht nur das Andenken der Toten, sondern verurteilt auch noch die Kinder. Und den mutmaßlichen Mörder lässt er weinen. Das ist Schmuddeljournalismus ersten Ranges. Zum Genieren.

Freitag, Dezember 02, 2005

Es wird gearbeitet bis zum Umfallen

FTD, 2. 12.

Abgesehen davon, dass sprachwissenschaftlich gesehen der Krankenstand überhaupt nirgendwohin absinken kann, ist diese Schlagzeile in der "Financial Times Deutschland" nur auf dem ersten Blick eine positive. Dass die Betriebskrankenkassen wegen der wenigen Krankenstandstage jubeln, wen wundert es? Reines Zahlenmaterial.

Aber wie sieht es wirklich in den Büros aus: Dort sitzen Mitarbeiter mit verschnupften Nasen und Fieber nur weil sie Angst haben ihren Job zu verlieren. Nicht nur für sie selbst ist der Arbeitstag in einem solchen Zustand eine Qual, auch für die Kollegen ist es unzumutbar, Bazillen-Kolonnen ausgesetzt zu sein. So ist es eben: Wer nicht jung, dynamisch und dauerfit ist, muss damit rechnen, dass auf seinem Stuhl ordentlich gesägt wird. Also: Es wird gearbeitet bis zum Umfallen.

Ein anderer Aspekt ist die belegte Zunahme psychischer Erkrankungen von Arbeitnehmern. Ja, wegen einer Depression legt man sich halt auch nicht ins Bett. So wird gearbeitet: Egal ob man irgendwelcher Sucht verfallen ist oder sonst eine psychische Störung hat. Es merkt so schnell ohnehin niemand. Und nach Dienstschluss lege ich mich beim Psychiater auf die Couch. Damit ich den nächsten Tag wieder ganz normal schaffe.

Wenn die Kassen laut über das Rekordtief bei Krankenständen jubeln, sollten also vor allem in den Betrieben die Alarmglocken läuten. Denn es könnte ja sein, dass die Mitarbeiter nicht so produktiv sind, wie der Chef es annimmt.

Donnerstag, Dezember 01, 2005

Österreicher können jetzt Militärwaffen kaufen


Innenministerin Liese Prokop gibt grünes Licht zur Bewaffnung der Österreicher: Wie das Magazin "News" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet (siehe oben), erlaubt das Ministerium ab sofort den Verkauf und die Benutzung militärischer Sturmgewehre von Privatpersonen. Ich finde das schlichtweg ungeheuerlich.

Wie kann es sein, dass die Waffenlobbyisten bei uns in Österreich so viel zu sagen haben, dass Prokop vor ihnen einen derart gefährlichen Kniefall macht. Haben wir den Krieg, dass wir uns bewaffnen müssen um uns zu verteidigen? Was bringt es, dass solche schweren Geschosse jetzt auch in den Haushalten ganz legal (mit Waffenkarte) lagern - sozusagen neben den Kinderzimmern? Es reicht ja ohnehin schon, dass viele Menschen illegal Waffen in ihren Häusern verstecken und nicht davor zurückschrecken, sie zu benutzen.

Feuer frei in den Wohnblocks! Damit Waffennarren jetzt so richtig auf ihre Kosten kommen.
Danke, Frau Minister. Sie haben einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit der Bevölkerung, speziell der Frauen und Kinder, geleistet. Danke.

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