Dienstag, November 29, 2005

Papst brauchte wieder einmal eine positive Schlagzeile

Krone.at, 29.11

Nach so viel Negativ-Publicity kommt ein Wunder wohl gerade recht: Papst Benedikt XVI. soll den sechsjährigen krebskranken Viktor durch die Segnung beim Weltjugendtag in Köln vor rund drei Monaten geheilt haben. Das Kind ist jetzt krebsfrei. Die Kronen Zeitung jubelt bereits vorsichtig: Das erste Wunder des Papstes! Oder doch nicht?

Schon spannend zu welchem Zeitpunkt die wundersame Heilung in der Welt verkündet wird: Vor wenigen Tagen sprach sich der Papst gegen die Priesterweihe für Homosexuelle aus. Dann forderte er mehr Latein-Unterricht (Oh Gott!). Anlässlich des Welt-Aids-Tages verurteilte der Vatikan Sex zum reinen Lustgewinn. Sex sei nur in der Ehe zu akzeptieren, hieß es. Alles Botschaften, die nicht unbedingt Begeisterung unter den Gläubigen auslösen. Und ausgerechnet jetzt vollbringt er sein erstes Wunder!

Mir gibt die Meldung auch deshalb zu denken, weil die meisten Zeitungen nur den "Express" und die "Bild" als Quelle nennen. Und diese Medien sind wohl nicht die seriösesten Quellen, auch sollte eine Zeitung sich niemals nur auf eine andere Zeitung verlassen. Sogar der katholische Nachrichtendienst (kath.net) hat eine kurze Meldung über die Heilung des Kindes veröffentlicht.
Quelle: die "Bild"!

Ich denke, es geht wohl nicht um das erste Wunder des neuen Papstes (und auch nicht um das zweite und das dritte usw.) Wenn es das gäbe, wäre es schön. Es geht darum, dass vielleicht der Glaube Berge versetzen kann. Was auch immer die Heilung des Kindes ausgelöst hat: War es die Chemotherapie? Oder war es die Hand Benedikts XVI.? Ganz egal: Wichtig ist nur, dass der kleine Viktor jetzt gesund ist.

Montag, November 28, 2005

Kein Schwein gehabt

Krone.at

Eine tierisch gute Schlagzeile hat heute die Kronenzeitung: "50 Schweine aus Schlachthof geflüchtet". Der Leser fühlt mit den Tierchen und es interessiert ihn nur eines: Haben sich die im Todestrakt eingesperrten rosa Schweinchen den Traum von der Freiheit erfüllen können oder landen sie morgen als Koteletts auf den Tellern. Oje! Obwohl die Schweine ihre Jäger auf längere Zeit ordentlich austricksten, half nichts: Nach zwei Stunden waren die Vierbeiner wieder im Stall.
Wie es sein kann, dass 50 Schweine nachts aus dem Schlachthof im steirischen Fürstenfeld ausbrechen konnten, ist mir eigentlich egal. Defekte Türe hin oder her. Mir hat diese Schlagzeile viel mehr auf den Magen geschlagen: Wer kriegt da noch ein Schweinssteak runter, wenn man an die süßen Grunzer denkt, die um ihr Leben gerannt sind! Und die einmal in ihrem Sau-Leben Glücksschweine sein wollten.

Sonntag, November 27, 2005

Stop the execution of Tookie Williams

Netzeitung, 26.11

CNN, 27.11.

Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger will sich mit dem Anwalt des verurteilten Ex-Bandenchefs Stanley "Tookie" Williams treffen, wurde heute verkündet. Am 13. Dezember soll Williams, der 1981 wegen vierfachen Mordes zu Tode verurteilt wurde, hingerichtet werden. Schwarzenegger kann den heutigen Kinderbuchautor und mehrfachen Friedensnobelpreiskandidaten, dessen Ziel es ist Kinder vom Weg in die Gewalt abzubringen, noch begnadigen.

Zahlreiche Zeitungen weltweit reagieren bereits euphorisch: Das Treffen mit dem Anwalt wird als erster Schritt zur Begnadigung gesehen. Mittlerweile hat die geplante Hinrichtung ja zu heftigen Protesten auf der ganzen Welt geführt. Auch Prominente, wie Rapper Snoop Dogg, demonstrieren für den Todeskandidaten.
Wie wird der Terminator reagieren? Zweimal hatte Schwarzenegger ja schon Begnadigungsanträge von Todeskandidaten abgelehnt.

Ich bin gegen die Todesstrafe. Wenn Tookie Williams durch seine Bücher und seine Predigten auch nur einen Jugendlichen davon abhält, Gewalt auszuüben, hat er etwas bewirkt. Man sollte ihm deshalb die Chance geben am Leben zu bleiben und weiterzuwirken. Büßen für seine Taten muss er ohnehin - in diesem und im nächsten Leben.
Blogtipp: http://savestantookiewilliams.blogspot.com/

Vermischung von Journalismus und Werbung

Bild.online, 26.11

Unzulässig finde ich die bereits des öfteren beobachtete Praxis der Online-Ausgabe der "Bild-Zeitung" auf der Startseite gerade im Bereich Shopping keine Abgrenzung zwischen Journalismus, PR und Werbung vorzunehmen. Am 26. 11 wird Werbung für Epson gemacht: "Druckerpatronen zum Hammerpreis". Die Einschaltung wird an dieser Stelle nicht als Werbung gekennzeichnet! Erst einen Klick weiter erfährt man dann, dass es eine entgeltliche Einschaltung ist.

Zum Vergleich: Die "Traumküchen zum Premiere-Gutschein" (ebenfalls auf der Startseite) hat man sehr wohl als Anzeige gekennzeichnet. So wie es medienrechtlich vorgeschrieben ist.

Donnerstag, November 24, 2005

Will die Kirche Homosexuelle durch Teufelsaustreibung heilen?

Stuttgarter Nachrichten online, 24.11.

Der Vatikan hat genug von Reformen: In einem von Papst Benedikt XVI abgesegneten Dokument bekräftigt die katholische Kirche, dass sie Homosexuelle und ihnen nahestehende Personen (!) auch in Zukunft nicht in geistlichen Ämtern dulden wird. Homosexuelle Akte sind eine schwere Sünde und stünden "im Gegensatz zum Naturgesetz", heißt es aus dem Vatikan. Die einzige Ausnahme: "Geheilte" Schwule dürfen Priester werden.

Den Hoffnungen vieler Gläubiger, dass sich die katholische Kirche mit dem neuen Papst öffnet, wurde damit wieder einmal eine Absage erteilt. Kein Reformgedanke. Keine Aufbruchsstimmung. Kein Mauer einreißen. Nichts, was einen moderen Christen dazu bewegen könnte, diesem Papst übermäßiges Vertrauen zu schenken. Schade, denn Ratzinger hat nach seiner Wahl auch bei seinen kritischen Schäfchen so viel Optimismus verbreitet.

Wie können wir dieser Kirche einen Segen erteilen, wenn sie Homosexualität als Sündenfall sieht. Das ist doch mittelalterlich! Und wie stellen sich die Herren Geistlichen vor, dass sich Männer von homosexuellen Neigungen befreien sollen - durch Teufelsaustreibung?

Benedikt XVI. enttäuscht.

Mittwoch, November 23, 2005

Warum uns die Toten im Irak nicht berühren

Welt.de, 23.11

Kaum wahrgenommen werden noch die Tragödien im Irak. Weil es sie tagtäglich gibt. Und weil die Anzahl der getöteten Menschen nicht für die Titelseite reicht. Bezeichnend dafür ist die heutige Platzierung des Selbstmordanschlages in Kirkuk in der Online-Ausgabe der "Welt": Die Irak-Meldung kommt nach dem Sport! Die Schlagzeile verschwindet so im Nirgendwo.

Der Mensch als nüchternes Zahlenmaterial: Es ist längst egal ob es 18 Tote (wie heute Reuters Deutschland meldet), 21 Tote (laut SWR), "mehr als 20 Tote" (Spiegel Online) oder exakt 21 Tote (Stern.de) gibt. Die Meldung berührt nicht, geht nicht unter die Haut. Weil der Irak weit weg ist. Weil Selbstmordanschläge uns (gott sei dank) nicht vertraut sind, wir damit also wenig anfangen können. Weil die Anzahl der Toten schlichtweg zu gering ist. Also nicht dramatisch genug. Weil es nur um Leichenzählung geht.

Manchmal schadet es nicht, die Schlagzeile dennoch wahrzunehmen und sich bewußt zu machen, in welchem tollen Land wir leben.

Dienstag, November 22, 2005

Ist die "Bild-Zeitung" etwa für die Todesstrafe?

Bild.T-Online.de, 22.11.

Was will die "Bild" mit dieser Schlagzeile erreichen? 25.000 Euro pro Jahr kostet die Deutschen der 26-jährige Iraker Herish A. Er hatte den Modezaren Rudoph Moshammer getötet und wurde gestern zu lebenslänglicher Haft (ohne vorzeitige Haftentlassung) verurteilt. Der Leser hat bei dieser Aufmachung keine andere Möglichkeit als zu denken: So eine Schweinerei!

25.000 Euro pro Jahr: Ich hätte mir schon gewünscht, dass uns das Boulevard-Blatt aufklärt, wie es zu diesem Betrag kommt. Er kann ja stimmen, aber wissen wir es? Ein Tag in der Strafvollzugsanstalt pro Häftling würde nach der "Bild" rund 68 Euro kosten. Kommt wahrscheinlich hin. Wie auch immer: Quellen-Angabe wäre super gewesen!

Aber welches tiefere Interesse steckt dahinter, uns vorzuführen, wie unglaublich teuer Häftlinge wie Herish sind? Ist das Massenblatt etwa für die Giftspritze, für die Todeskammer? Da könnte man sich doch ein hübsches Sümmchen ersparen... Für seine Tat in einer Haftanstalt zu büßen, auch lebenslänglich, ist immer noch Teil unseres Rechtssystems.
Und dass Häftlinge essen und trinken müssen, ist klar. Und dass das Geld kostet ist logisch.

Viel besser, als uns die Kosten von Häftlingen vorzurechnen, wäre es zu ermitteln, wie viel die Politiker täglich von unserem Geld sinnlos aus dem Fenster werfen. Das wäre ein echter Aufreger!

Montag, November 21, 2005

Die ständigen Falschmeldungen nerven

News.at, 21.11.

Zu dieser Schlagzeile fällt mir nur eines ein: Chaos, Chaos, Chaos! Es ist eine Zumutung, wie wir seit Wochen über Vogelgrippe, Tamiflu, Grippeimpfstoff und dergleichen informiert werden. Einmal gibt es einen Grippeimpfstoff und einen Tage später müssen sämtliche Medien in Österreich verkünden: Alles falsch! Es gibt derzeit keinen Impfstoff. Am Sonntag hat Ö3 verbreitet, dass 100.000 Dosen des Impfstoffes "Fluad" erhältlich sein sollen. Es ist mir völlig egal, wer daran schuld ist. Nur: Die permanenten Falschinformationen nerven!

Man erinnere sich auch an die furchteinflössenden Pandemie-Notfallspläne (Karantäne, Mundschutz, Spezialeinheiten usw.), die im Magazin News vor einigen Monaten über mehrere Seiten abgedruckt wurden. Sofort sind zigtausende Österreicher in die Apotheken gelaufen und haben sich mit Tamiflu eingedeckt. Heute ist wieder alles anders: Tamiflu hat überhaupt keine Wirkung ist zu lesen. Und die "Kronen-Zeitung" verkündete vor wenigen Tagen, dass die Vogelgrippe eigentlich nur eine stinknormale Grippe ist...

Samstag, November 19, 2005

"Bild-Zeitung" machte beste Schlagzeile der Welt



Für "Bild.T-Online" ist Michael Cicconetti "der beste Richter der Welt". Er ist kein guter Richter mit wirkungsvollen Urteilen. Nein: Er ist der Beste der ganzen Welt! Zu solche Superlativen gibt es nur ein Kommentar: höchstgradig unseriös.

Euphorisch berichtet das Autoren-Team dann, dass "seine Urteile wirkliche Strafen" sind. Jüngster Fall: Eine Frau hatte 33 Katzen im Wald ausgesetzt. Jetzt muss sie eine Nacht ganz allein im Wald verbringen. Ohne Nahrung, ohne Licht. Damit sie weiß, wie sich die Kätzchen gefühlt haben, so der Richter.
Einmal hat der Richter einen Mann, der Polizisten als Schweine beschimpft hat, mit einem echten Schwein an eine Straßenecke stellen lassen. Das Schwein trug das Bild: "Das ist kein Polizist".

Mal abgesehen davon, dass solche Urteile einen unglaublichen Belustigungseffekt und damit auch Werbewirkung haben. Ich finde auch, dass "normale" Strafen wie Bewährung oder Geldbußen bei manchen Tätern ihren Zweck verfehlen. Ein Mittelmass zwischen der gängigen Rechtssprechung und Cicconettis Urteilen wäre vielleicht sinnvoll: Im Falle der Katzenaussetzerin hätte Sozialarbeit in einem Katzenheim auch seine Wirkung erreicht. Dem Polizistenbeschimpfer hätte man einen Tag in einer Polizeiinspektion verordnen können. Ein Tag mitten so vieler Schweine!

Wie auch immer man zu Cicconettis Urteilen steht. Die Behauptung, dass er der beste Richter der Welt sein soll, kann so nicht getroffen werden.

Egal: Die "Bild" hat heute die beste Schlagzeile der Welt gemacht....

Freitag, November 18, 2005

Giftanschlag: Bauer wehrt sich

Bereits am Dienstag (16.11) habe ich mich kritisch über die Berichterstattung (Giftanschlag auf das Bodensee-Trinkwasser) geäußert. Jetzt wehrt sich der bereits als Täter vorverurteilte Bauer via Medien. Das Handeln der Ermittlungsbehörden empfinde er als Vorverurteilung in der Öffentlichkeit und als schwere Rufschädigung, Ehrverletzung und wirtschaftliche Existenzvernichtung. Mich wundert das nicht.

Wie die Sprache in den Medien verhunzt wird

Orf.at am 18.11

faz.net am 18.11

Zwei Beispiele, wie Journalisten die Sprache verhunzen: Die Online-Version der FAZ schreibt heute: "Grippemittel Tamiflu unter Verdacht". Ein Grippemittel kann wohl schlecht unter Verdacht stehen.
Auf ORF.at ist zu lesen: "Knalleffekt soll Bank retten". Es geht um den Rücktritt des Bawag-Chefs Johann Zwettler nach dem Refco-Kreditdebakel. Wie kann ein Knalleffekt eine Bank retten kann? Man beachte die Gänsefüße über dem "Retten". Ein Beweis dafür, dass sich der Schreiber schon unsicher war, ob das was er schreibt auch Deutsch ist! Keinesfalls Deutsch ist, dass retten groß geschrieben wird. Ich denke an einen Schlampigkeitsfehler.

Journalisten konstruieren tagtäglich solche Sprachverhunzungen, vor allem im Titel. Weil es gerade bei Schlagzeilen hinsichtlich des Platzes kaum Spielraum gibt. Und da muss eben das Beste des Artikels in Kurzversion (der Küchenruf) rein - egal ob die strengen Regeln des Sprachgebrauchs eingehalten werden oder nicht. Wir sehen: Journalisten-Deutsch ist nicht immer Duden-Deutsch.

Donnerstag, November 17, 2005

Das Wörtchen "angeblich"



Angeblich war die Bundeswehr nicht über die Terrorwarnung informiert, schreibt heute die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. Angeblich, wohlgemerkt. Es geht um den Kabul-Anschlag, bei dem ein deutscher Soldat getötet wurde.
Als Quelle der angeblichen Geschichte wird von der seriösen FAZ die "Bild-Zeitung" genannt (man stelle sich vor!), der ein interner Bericht der Bundeswehr vorliegen soll.
Ein Blick auf den Artikel in der "Bild" bringt noch weniger Klarheit. Hier heißt es nämlich: "Das Attentat hätte womöglich verhindert werden können". Womöglich. Also angeblich. Der Verdacht hier eine Zeitungsente produziert zu haben, liegt nahe. Womöglich. Angeblich.

Mittwoch, November 16, 2005

Die "Bild-Zeitung" versucht es als moralische Instanz


Die Bild-Zeitung als Moralapostel! Sie will offenbar dem neuen SPD-Chef Matthias Platzeck ins Gewissen reden: Soll er doch endlich seine Freundin heiraten! Es gab ja auch noch nie einen SPD-Chef ohne Trauschein! Skandal. Skandal.

Bild: "Und wann heiraten Sie, Herr Platzeck?"

Als ob die Bild-Schreiber es nicht wissen würden:
SPD-Chef Matthias Platzecks Antwort im Bild-Interview: "Dazu gibt es derzeit keine Planung"
Freundin Jeanette Jesorkas Antwort im Bild-Interview: "Im Moment nicht".

Nachzulesen ebenfalls in der Bild. Also: Wozu die Schlagzeile?

Dienstag, November 15, 2005

Giftanschlag: Bauer voreilig als Täter verurteilt

Welt.de, 14.11: Bereits eine Feststellung

Süddeutschee, 14.11: Hier steht der Landwirt auch schon als Täter fest

Das Dementi bei Reuters am 15.11



Zahlreiche deutschsprachige Medien haben ihren Lesern am Montag voreilig einen Bauer aus Ravensburg als Giftmischer präsentiert. Er wurde bereits als Täter vorverurteilt...
Und dabei besteht vorerst einmal nur ein Verdacht: Der Mann soll (!) zwei Kanister giftiges Pflanzenschutzmittel im Bodensee nahe einer Trinkwasserentnahmestelle versenkt haben.

Bei seriösen Medien sollte das Einhalten der Unschuldsvermutung eigentlich Standard sein.
Zur Erinnerung: In unserem Rechtssystem ist es immer noch so, dass jemand, solange er nicht rechtskräftig verurteilt ist, unschuldig ist!

Prompt kam auch heute in vielen Medien das erste Dementi:

N 24-Schlagzeile: "Polizei sucht erfolglos nach Bodensee-Vergifter"
Tirol Online: "Bodensee-Giftanschlag: Keine klaren Hinweise auf Täter" usw.

Wenn es sich herausstellt, dass der Bauer unschuldig ist, kann man ihm nur einen cleveren Anwalt wünschen. Viele Schlagzeilen sind klagbar! Abgesehen davon: Man stelle sich nur annähernd vor, was dieser Mann im Falle seiner Unschuld ob dieser medialen Hetzkampagne durchmachen musste... Er bleibt wahrscheinlich für immer ein Verbrecher.

Montag, November 14, 2005

Grasser arbeitet schon für Swarovski!

Krone.at

Unser Finanzminister Karl-Heinz Grasser(Swarovski) will uns die Reichensteuer ersparen, müssen wir heute lesen. Für Österreich gäbe es keine Pläne Reiche stärker zur Kasse zu bitten, verkündet Grasser. Sollen wir unserem KHG jetzt vielleicht danke danke sagen?

Wie kristall-glitzernd ist unser High-Society-Finanzminister schon, dass er mit so einer Aussage groß an die Presse gehen muss. Er muss doch wissen, dass die Masse der Österreicher die Einführung einer Reichensteuer sicher begrüßt! Kein Wunder: Warum soll auch immer nur der Kleinverdiener (und das ist die Masse!) geschröpft werden, während die Reichen immer Reicher werden und Förderungen bis zum Abwinken bekommen.

Bei dieser Schlagzeile atmen wohl nur die Flicks & Co auf. Und die Swarovskis. Für die zahlt es sich eben aus im Finanzministerium einen aus ihren Kreisen sitzen zu haben.

Sonntag, November 13, 2005

Genial


Milliardär Karl Wlaschek ist der erste Mensch der fein säuberlich auf mehrere hundert Seiten gepresst und gebunden wird! Ein Mensch zum Anfassen und Mitnehmen. Genial. Oder verstehst du die Kurier-Schlagzeile "Karl Wlaschek kommt als Buch" anders?

Samstag, November 12, 2005

Alles Pinguin





"Vom sonnigen Strand am Badesee bis zum gletscherbedeckten Felsgipfel, vom malerischen Weingarten bis zum romantischen Tannenwald, von der sanften Almwiese bis zur vitalen Au am Fluss.

Österreichs Bundesländer bieten Ihnen eine reiche Palette imposanter Landschaftseindrücke. Getragen von charmanten, gastfreundlichen Menschen, die ihren Sinn für Kunst und ihre Neigung zum Genuss gerne mit Ihnen teilen. Willkommen in Österreich" (Text aus: austria.info)


Wirklich kreativ, unsere Österreichwerbung. Doch ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Hier etwas Wissenswertes über Pinguine:

Pinguine in freier Wildbahn findet man nur auf der südlichen Halbkugel. Es ist bis heute nicht bekannt, dass jemals ein Pinguin über den Äquator hinausgekommen ist. Vermutlich können sie in den warmen Meeresströmungen nicht überleben.


Hier unser kostenloser Vorschlag für Österreichwerbung:


Braunbären gibt es in Kärnten - oder glauben Sie, dass wir Ihnen einen Bären aufbinden!

Danke an Carl-Heinz für Idee und Text

Freitag, November 11, 2005

Übertrieben und schlecht recherchiert


"Die Kärntner Tageszeitung" übertreibt heute maßlos: Schussattentat auf Jugendliche - bei Gott, was stellen wir uns da vor! Mindestens mehrere Tote, oder? Dann wird es mysteriös: Ein Unbekannter zielte mit einem Schrotgewehr auf Jugendliche. Klare Falschmeldung. Der Unbekannte schoss laut Polizeibericht mit einer mehr oder weniger harmlosen Luftdruckpistole, und das ist ein haushoher Unterschied.

Irgendwo im Text ist der Verfasser dann doch unsicher und schreibt: "der Täter dürfte ein Luftdruckgewehr benützt haben". Entweder weiß es der Schreiber nicht, oder es handelt sich um einen Tippfehler (?): Ein Schrotgewehr und ein Luftdruckgewehr sind etwas völlig anderes. Naja, dem Schreiber ist es egal, Schussattentat ist Schussattentat...

Für wie blöd wird der Leser gehalten?

Mittwoch, November 09, 2005

Platzvergeudung

Kurier Exklusivgeschichte

Ich sehe beim besten Willen nicht, was das für eine Geschichte sein soll? Wo ist da der Lesernutzen?
Prinz Ernst August und ein Linzer Sportartikelverkäufer sind mit ihren Autos zusammengekracht. Blechschaden. Keiner wurde verletzt. Der Linzer will die Sache über die Polizei regeln, der Prinz will das nicht. Er will den Schaden bar bezahlen. Das ist bei solchen normalen Auffahrunfällen möglich - und wird in der Praxis tausende Male gemacht. Wo ist also da das allgemeine Interesse? Prinz Ernst August hat weder getrunken noch hat er auf sein Gegenüber eingeprügelt... Na, das wäre was gewesen!
Diese Meldung ist schlichtweg Platzvergeudung.

Dienstag, November 08, 2005

Journalismus ohne Tiefgang

Bild.t-online

Typisch "Bild"! Mich erstaunt es wirklich, zu welchen Mitteln das Massenblatt immer wieder greift (oder greifen muss!), um das Volk auf seine Seite zu ziehen.

Die Fotomontage sagt alles - und der schnelle, oberflächliche Leser denkt sich: "Ja, recht hat die Bild. Alles Lügner!" Das ist (leider erfolgreicher) Journalismus ohne Tiefgang und Respekt. Problematisch empfinde ich auch, dass als Quellen für die aufgelisteten Lügen nur andere Zeitungen genannt werden. Sind Zeitungen wirklich stets verlässliche, journalistisch objektive Quellen?
Um die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung zu erhöhen, hätte man z.B. Presseaussendungen der Parteien während der Wahl, Sitzungsprotokolle und Parteiprogramme durchforsten und zitieren können. Oder passen diese Quellen der "Bild" etwa nicht ins Lügen-Konzept?

Montag, November 07, 2005

Große Unsicherheit


Wenn es bloß diese Unsicherheit nicht gäbe? Wie ist es jetzt wirklich, fragt sich der geneigte Leser: Fanden die Israelis Überreste der ältesten Kirche der Welt oder nicht?

Die Zeitungen klären uns auf. Ein kleiner Auszug:

Hamburger Abendblatt: "Israelis fanden Überreste der wohl ältesten Kirche der Welt"

Berliner Morgenpost: "Älteste christliche Kirche in Israel entdeckt?"

La Saluten.net: "Archäologen entdeckten vielleicht älteste Kirche"

Neue OZ Online und viele andere: "In israelischem Gefängnis möglicherweise älteste Kirche entdeckt"

Auch spannend der Artikel in der Presse: "Die älteste Kirche der Welt" (Schlagzeile) und dann heißt es weiters (Leadsatz): die möglicherweise älteste Kirche der Welt

Wer kennt sich da noch aus? Ich nicht.

Sonntag, November 06, 2005

Grüne päpstlicher als der Papst

Aus: Focus Online
Aus: Süddeutsche

In Anlehnung an die einstige Schlagzeile der "Bild" ("Wir sind Papst") macht sich jetzt der grüne Politiker Christian Ströbele laut Berliner Tagesspiegel große Sorgen, "ob wir noch Papst sind". Joseph Ratzinger alias Papst Benedikt XVI. sei vielleicht gar kein Deutscher mehr! Weil ja Ratzinger jetzt die vatikanische Staatsbürgerschaft hat...

Unglaublich, welche großen Sorgen Politiker im regierungslosen Chaos-Deutschland plagen - nur um sich in Szene zu setzen. Und dabei ist nicht einmal Saure-Gurken-Zeit! Die Grünen sollen lieber die Ärmel hochkrempeln und endlich vernünftig arbeiten für das Land. Mit schlechten Papst-Schlagzeilen verdienen sie sich keinen Heiligenschein.

Samstag, November 05, 2005

Angriff der Killertomaten


Köstlich, die Kombination Schlagzeile und Bild in der "Süddeutschen":


Mit dem Titel "Angriff der Killertomaten" werden Leser auf das heutige Schlagerspiel FC Bayern und SV Werder Bremen eingestimmt. Als "Killertomaten" werden die Bayern wegen ihrer roten Heimtrikots bezeichnet.

Am Bild ist genau das Gegenteil zu sehen! Nämlich keineswegs eine alles niederwalzende Killertomate. Torhüter Oliver Kahn von den Killertomaten kann den Ball von Klasnic nicht mehr halten: Klasnic erzielt ein Tor!

Die Mannschaft von Werder Bremen spielt übrigens in grün-organge, weshalb ihr Outfit mit dem Federkleid eines Senegalpapageis verglichen wird.

Im Text sagt uns dann der Schreiber, was er sich vom heutigen Spiel erwartet: "Im übrigen frisst jeder Papagei bevorzugt Gurken, Sellerie. Und Tomaten".

Donnerstag, November 03, 2005

ÖVP gibt zu, nicht hart arbeiten zu wollen



Endlich eine Partei die sich öffentlich dazu bekennt, nicht hart arbeiten zu wollen. Getan hat sie es vermutlich ohnehin noch nie. Politiker sind generell keine Schwerarbeiter.

Offenheit gehört belohnt: Das ist uns deshalb glatt die Schlagzeile wert!

Gemeint hat der "Standard"-Journalist (Print-Ausgabe 3. November, Titelseite) natürlich nicht den Abschied der ÖVP von der Schwerarbeit, sondern von der Schwerarbeiterregelung.

Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Mittwoch, November 02, 2005

"Spiegel-Schlagzeile ist frei erfunden!"

"Spiegel" vom 29. Oktober

"Kölner Stadt-Anzeiger" vom 31. Oktober

Wegen einer Schlagzeile im "Spiegel" gehen in Köln derzeit die Wogen hoch:

Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtete am 29. Oktober, dass Kardinal Joachim Meisner, Erzbischof von Köln, vergeblich versucht habe, beim Vatikan den Kölner Weihbischof Rainer Woelki als seinen Nachfolger einsetzen zu lassen. Die Kirche verlangte noch am selben Tag eine Gegendarstellung: "Diese Behauptung ist falsch und frei erfunden." Es werde derzeit kein Nachfolger gesucht.

Medienunternehmen im ganzen Land griffen das Dementi der Kirche auf und titelten am nächsten Tag mit der Schlagzeile: "Erzbistum dementiert Berichte über Meisner-Nachfolge."
Eine (angeblich unrichtige) Schlagzeile wurde zur Schlagzeile. Und somit sah der "Spiegel" ziemlich alt aus ....

Ein Tipp: www.fairpress.biz ist ein Mediendienst, der Betroffenen einer Berichterstattung die Möglichkeit gibt, sich öffentlich zu wehren. Diesen Dienst hat auch Kardinal Joachim Meisner in Anspruch genommen.

Dienstag, November 01, 2005

Familie Joschka Fischer: Szene einer jungen Ehe


Jetzt sehen wir endlich, wie sich ein Serien-Bräutigam fühlt! Blick ins Flugzeug: Joschka Fischer der glücklichste Ehemann von allen. Der 57-Jährige Politiker hatte kurz zuvor zum fünften Mal geheiratet. Die überglücklich strahlende Braut ist die 29-jährige Frau Minu Barati. Joschka liest Buch. Die neue Frau Fischer blättert in der Illustrierten. In der Mitte sitzt brav das neue Töchterchen Joschkas. Bilderbuchszenen aus einer Ehe, die erst wenige Stunden alt ist.

...das fünfte Mal Ja zu sagen, ist halt nichts mehr besonderes. Traute Routine.

Nicht zu vergleichen mit Sisi-Kopie Verona Feldbusch und ihrem "Franzl" Franjo kurz nach deren Traumhochzeit im Stephansdom. Da gibts noch Emotionen, noch strahlende Augen, noch Träume. Veronas zweites Mal. Weil doppelt eben besser hält...

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